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Viergelindenbrücke – Raumklammer aus Edelstahl

Bei der Viergelindenbrücke in der Grubenstraße handelt es sich um eine Brückenskulptur aus Edelstahl von Thomas Leu. Das auch als Raumklammer bezeichnete Kunstwerk wurde 2003 als Teil der Rekonstruierung der Rostocker Altstadt eingeweiht. Intention des Architekten war es, eine begehbare Skulptur zu schaffen.

ViergelindenbrückeUrsprünglich stand an der Stelle der Viergelindenbrücke eine kleine Klappbrücke aus Holz, die 1850 für die erste Eisenbahn gebaut wurde. Diese verband damals den Stadthafen mit dem Friedrich-Franz-Bahnhof, der vor den Toren der Rostocker Altstadt lag. Die Viergelindenbrücke gehörte aufgrund ihres interessanten Äußeren – einer Mischung aus Funktionalität und Hütten-ähnlicher Form – zu den Sehenswürdigkeiten der Hansestadt. Sie wurde mehrfach technisch auf den neusten Stand gebracht (beispielsweise eine Elektrifizierung im Jahre 1909), ehe sie 1944 zerstört wurde. Entgegen der häufigen Annahme, dies wäre auf die Folgen des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen, wurde die Viergelindenbrücke schlicht Opfer eines entgleisenden Güterzugs.

Name Viergelindenbrücke

Historisch ist der Name der Brücke mit einer nahen Wassermühle verbunden, die Getreide in vier Mahlgängen zerkleinerte. Diese Arbeitsschritte heißen Grinden, nach denen der Volksmund die Brücke erst benannte und über die Jahre in Vierglinden und schließlich Viergelinden verwandelte. Hinzu kommt, dass die alte Viergelindenbrücke auf vier Beinen stand. Es lag daher auch “optisch” Nahe, der Klappbrücke einen entsprechenden Namen zu geben.

Begehbare Skulptur

Während der DDR-Zeit wurde die Viergelindenbrücke nicht wieder errichtet, genau wie weite Teile der Altstadt eher stiefmütterlich behandelt beziehungsweise durch Zweckbauten erneuert wurden. Erst nach der Wende folgte die schrittweise Rekonstruktion der zentral gelegenen Quartiere. Mit der neuen Viergelindenbrücke aus Edelstahl wollte Thomas Leu eine begehbare Skulptur schaffen, die den öffentlichen Raum miteinander verklammert und so symbolisch die Rostocker Innenstadt wieder zusammenfügt.

Kritik an der Form

Der Rostocker Bürger Berthold Brinkmann äußerte kurz nach der Errichtung der neuen Viergelindenbrücke 2003 seine Enttäuschung an der Raumklammer und sprach damit für viele Einwohner der Altstadt. Er hätte sich gewünscht, wenn die Stadtplaner statt auf Edelstahl, lieber auf Holz zurückgegriffen hätten und so die ehemalige Funktion als Klappbrücke für eine Eisenbahnstrecke wieder betont hätten. Er äußert die Befürchtung, dass damit das Andenken an den ersten Rostocker Bahnhof schnell in Vergessenheit geraten wird. Die neue Viergelindenbrücke bezeichnet er als “überdimensionale Küchenmaschine”. Seine Kritik ist hier nachlesbar.

Verkehrsanbindung Viergelindenbrücke

Am schnellsten kommt man von der Haltestelle Steintor zur Viergelindenbrücke. Man folgt einfach der Stadtmauer bis zum Kuhtor, durchschreitet dieses und ist schon in Sichtweite zu Grubenstraße und der ehemaligen Likörfabrik Julius Krahnstöver.