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Steintor – Bier brachte es zu Fall

Fälschlicherweise glauben viele Rostocker, dass Steintor wäre ein Ausdruck des Freiheits- und Trutzwillen der alten Hansestadt. So wie es heute jedoch dasteht, ist eher das genaue Gegenteil der Fall.

SteintorErst nach Beilegung jahrzehntelanger Streitigkeiten mit Schwerin konnte das Steintor zwischen 1574 und 1577 im Stil der niederländischen Renaissance wieder aufgebaut wurden. Das im Jahr 1279 gebaute Vorgängertor wurde 1565 von Johann Albrecht den I., Herzog von Mecklenburg, bis auf seine Grundsubstanz zurecht geschliffen, als dieser mit fünfhundert Reitern in Rostock einmarschierte.

Streit um Bier

Offizieller Hintergrund war die Verweigerung Rostocks, dem Mecklenburger Herzog einen Huldigungseid auszusprechen. In Wahrheit ging es aber um Geld und Einfluss. Der fast einzige Export der Hansestadt Rostock war das Bier – und just von diesem gepflegten Gebräu wollten die Schweriner Herzöge durch die Einführung einer Bieraktie eine satte Dividende abschöpfen. Hinzu kommt ein seit Jahrhunderten schwelender Konflikt, wie unabhängig Rostock überhaupt vom Herzogtum Mecklenburg sein kann.

Rostock gab Unabhängigkeit auf

Blick von der Richard-Wagner-Straße auf das Steintor Erst nachdem Rostock im Jahr 1573, besiegt und besetzt, diese Unabhängigkeit aufgab und die Herrschaft des Herzogs anerkannte, durften die alten Befestigungsanlagen wieder aufgebaut werden. Zuvor waren die Kanonen Rostocks auf die Stadt und ihre Bürger selbst gerichtet. Rostock gab zu diesem Zeitpunkt auch jede Ambition auf, eine freie Reichsstadt zu werden.

Das Steintor ist, bei all seiner Schönheit, somit auch Zeugnis dieser Niederlage der Rostocker Bürger. Es wurde unter der Leitung von Antonius Wahrholt, dem Bilderhauer Hans Borgloh sowie dem Wallmeister Otto errichtet, ebenfalls lässt sich heute auch noch nachvollziehen, das Hinrich Kate der Meister der beteiligten Zimmerleute war.

Steintor im 2. Weltkrieg zerstört

Das Rostocker Steintor wurde 1942 von der Royal Airforce bis auf seine Grundmauern vernichtet, wurde aber zwischen 1950 und 1956 wieder rekonstruiert. Seit dem prangt auch die Inschrift: Sit intra te concordia et publica felicitas auf der zur Stadt gewandten Seite. Übersetzt bedeutet sie: In deinen Mauern herrsche Eintracht und öffentliches Wohlergehen.

Verkehrsanbindung vom Steintor

Für Touristen ist das Steintor gut mit allen Straßenbahnen sowie den Buslinen 22, 23 und den beiden Nachtlinen F1 und F2 zu erreichen. Die gleichnamige Haltestelle bildet zudem einen der zentralen Nahverkehrsknotenpunkte in Rostock. Das Steintor befindet sich vis a vis zu Rathaus, Neuen Markt und Marienkirche, so dass man es eigentlich nicht verfehlen kann.

Stadtseitig links vom Steintor fallen zwölf Stelen auf, die nachts leuchten und die Verbindung zur Stadtmauer symbolisch wieder herstellen sollen. Folgt man den Stelen und der rekonstruierten Stadtmauer, gelangt man vom Steintor in knapp einer Minute zum Kuhtor, dem ältesten der noch erhaltenen, ehemaligen Stadttore.