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Kuhtor – für Künstler und Kriminelle

Einst wurde Rostock von 22 Toren geschützt. Davon sind heute nur noch vier erhalten, das mit Abstand älteste ist das Kuhtor in der östlichen Altstadt. Ein beeindruckendes Zeugnis mittelalterlicher Verteidigungsanlagen.

KuhtorErstmals urkundlich erwähnt wurde das Kuhtor im Jahr 1262, in welchem Jahr es genau errichtet wurde, ist heute nicht mehr feststellbar. Als Besucher spürt man aber auf Anhieb den Geist des Mittelalters, wenn man durch den schmalen Torborgen schreitet, umringt von den massiven Steinquadern frühgotischen Bauwerkes. Das Kuhtor gilt als das älteste Stadttor in ganz Norddeutschland und ist auch das älteste Gebäude in Rostock.

Kuhtor – fühlbares Mittelalter

Diese massiven Findlinge im Fundament sind architektonisch sehr interessant, gelten sie doch als typisch für Festungsanlagen im Mittelalter. Geschichtlich interessierte Menschen können zudem fensterartige Einbuchtungen im Bauwerk entdecken. Diese dienten mittelalterlichen Baumeistern zum einem dazu, Baugerüste am Kuhtor zu befestigen, zum anderen ließen sie sich im Verteidigungsfall aber auch zu Laufgängen für die Verteidiger an und auf der Stadtmauer ausbauen. Ebenfalls sehr lohnenswert ist ein genauerer Blick auf die schmalen Schießscharten. Die trichterförmige Öffnung lässt sehr gut erahnen, wie “unfair” es sich als Angreifer anfühlen musste, von dort aus beschossen zu werden.

Ursprung des Namens

Kuhtor Seinen wenig schmeichelhaften Namen erhielt das Kuhtor nach der Fertigstellung des ersten Steintors, ebenfalls im 13. Jahrhundert. Dieses avancierte schnell zum wichtigsten Stadttor im Süden, weswegen das Kuhtor vornehmlich nur noch genutzt wurde, um Vieh auf die ertragreichen Warnowwiesen zu treiben. Als der Machtkampf mit den Mecklenburger Herzögen im 14. Jahrhundert zunehmend eskalierte, wurde das Kuhtor zur Außenseite hin zum Schutz der Stadt zugemauert. Als Rostock diesen Konflikt und seine Unabhängigkeit Mitte des 16. Jahrhunderts endgültig verloren hatte, fungierte es für einige Jahre wieder als südliches Haupttor, da das Steintor im Zuge der Besetzung dem Erdboden gleich gemacht und erst 1574 neu errichtet wurde.

Nutzung als Wohnung

1608 wurde das Kuhtor wegen seiner massiven Wände zu einem Gefängnis für leichtere “Bürgerstrafen” umgewandelt, im Zuge dessen wurde der Tordurchgang auch komplett zugemauert. Allerdings hielt sich diese Nutzung nicht lange, bereits 1671 fungierte es als Wohnhaus für den Büchsenmacher der Stadt. Die Nutzung für Stadtbedienstete hielt bis kurz vor den Zweiten Weltkrieg an, 1938 wurde der Tordurchgang dann wieder rekonstruiert.

1942 wurde das Kuhtor während schwerer Luftangriffe auf Rostock stark beschädigt und wurde erst in den 60er Jahren wieder halbwegs restauriert, in dem es ein neues Dach bekam. Komplett rekonstruiert und in seinen historischen Zustand versetzt wurde es allerdings erst 1984 – seitdem ist es auch Heimstätte verschiedener Literaturverbände. Heute ist es Sitz der Rostocker Meditationsstelle. Wer durch das Kuhtor hindurch schreitet, gelangt in die Rostocker Altstadt. In Sichtweite ist die Viergelindenbrücke.

Verkehrsanbindung vom Kuhtor

Das Kuhtor befindet sich einige hundert Meter nördlich vom Steintor, man muss lediglich der Stadtmauer folgen. Touristen können es mit allen Straßenbahnen sowie den Buslinen 22, 23 und den Nachtlinen F1 und F2 erreichen. Haltestelle: Steintor. Ebenfalls ist es reizvoll mit den Linien 1 bis 4 bis zum Gerberbruch durchzufahren und von dort aus an der Stadtmauer entlang (hinter dem Abenteuerspielplatz) zum Kuhtor zu wandern.