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Kröpeliner Tor – Krieg und DDR-Stadtplanung überlebt!

Das Kröpeliner Tor ist eines der Wahrzeichen Rostocks und vielleicht das imposanteste der vier noch erhaltenen Stadttore. Erbaut wurde es um das Jahr 1270, hat sein Äußeres im Laufe der Jahre aber verändert.

Blick auf das Kröpeliner Tor vom Schröderplatz aus. So sieht man an den Backsteinen des Kröpeliner Tores deutlich einen farblichen Übergang ab dem zweiten Stockwerk. Dies ist auf eine Aufstockung des Tores im Jahre 1400 um fünf Stockwerke zurückzuführen. Damals bekam das Bauwerk auch seine heutige Erscheinungsform im Stil der Backsteingotik. Das Kröpeliner Tor sollte bewusst eine Prunkstätte werden, da es westlich zur Stadt hinausführte und somit zu den ersten Gebäuden zählte, die reiche Handelsreisende aus Lübeck und Wismar sahen.

Herkunft des Namen

Über den Namen sind sich die Experten uneinig. Vieles spricht dafür, dass er sich auf die etwa 35 Kilometer westlich liegende Stadt Kröpelin bezieht, die während der Hansezeit zu einigen Wohlstand gekommen war. Es ist aber auch denkbar, dass das Kröpeliner Tor nach einer reichen Patrizierfamilie selben Namens benannt wurde.

Opfer durch DDR-Stadtplanung

Bemerkenswert ist, dass das Bauwerk den Zweiten Weltkrieg weitestgehend unbeschadet überstanden hat. Allerdings wurde in den 1970er Jahren ein Teil der ebenfalls nicht beschädigten Stadtmauer am Kröpeliner Tor ohne Not abgerissen. Damals gab es Pläne, die ganze Rostocker Innenstadt bis weit in die KTV hinein abzureißen und durch einen mehr groß als schönen Komplex an Hochhäusern zu ersetzen. Die Plattenbauten am Vögtenteich, in nordöstlicher Blickrichtung vom Kröpeliner Tor aus gesehen, sind jedoch die einzigen Häuser, die wirklich realisiert wurden. Das Stadttor selbst wäre in diesen Plänen der DDR-Gigantomanie das einzige historische Bauwerk in der Innenstadt geblieben, dass nicht abgerissen werden sollte.

Wappen am Kröpeliner Tor

Stadtseitig sind der mecklenburgische Stier und das Stadtwappen ins Kröpeliner Tor eingearbeitet, auf der anderen Seite findet sich der Rostocker Greif in den Spitzbogenelementen. Letzterer wurde erst im Jahr 1905 angebracht. Verschwunden ist hingegen ein neugotischer Vorbau aus dem Jahr 1847, der im Jahr 1945 aus ästhetischen Gründen entfernt wurde. Eine Beschädigung durch den Weltkrieg lag auch hier nicht im nennenswerten Maße vor.

Einst fuhr die Straßenbahn durchs Tor

Ebenfalls verschwunden ist eine Straßenbahnlinie, die noch bis in die 60er Jahre hinein durch die Kröpeliner Straße und den Torbogen fuhr. Diese sehr historische Linie, die sich aus der starken Bebauung der Nordseite des Neuen Marktes vor dem Krieg ergab, wurde durch die Erschließung der Langen Straße überflüssig.

Im Kröpeliner Tor befindet sich heute der Sitz des Vereins Geschichtswerkstatt Rostock e.V. samt einer sehr sehenswerten Dauerausstellung über Rostock.

KTC und Sieben-Schwestern-Brunnen

Das Einkaufszentrum KTC wurde direkt neben dem Kröpeliner Tor gebaut Neben dem Kröpeliner Tor befindet sich mit dem KTC das modernste Einkauszentrum Mecklenburg-Vorpommerns, das zusammen mit dem Tor und dem Radisson-Hotel mittlerweile das Bild der Innenstadt prägen. Etwas unscheinbar neben dem Tor befindet sich der Sieben-Schwestern-Brunnen von Reinhard Dietrich. Die Zahl Sieben hat in diesem Fall nichts mit der Stadtgeschichte Rostocks zu tun, sondern soll die Freundschaft der sieben Ostseeanrainer zu Zeiten des kalten Krieges symbolisieren. Ironie der Geschichte: Die BRD und DDR werden durch je eine eigene “Schwester” symbolisiert.

Verkehrsanbindung

Das Kröpeliner Tor erreicht man mit den Linien 1,2,5,6 und F1 an der gleichnamigen Haltestelle, außerdem kann man auch mit der Linie 3, 4, 25, F1 und F2 am Doberaner- oder am Schröderplatz aussteigen. Ebenfalls bietet sich ein Spaziergang vom Neuen Markt aus durch die Innenstadt vorbei an Sehenswürdigkeiten wie dem Rathaus, dem Hauptgebäude der Universität oder dem Fünf-Giebel-Haus an.