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Industrieromantik am Stadthafen

Mit dem Ende der DDR endete auch die Zeit des Rostocker Stadthafens als Industriegebiet. Als letzte Zeugen dieser Ära stehen bis heute zwei blaue Kräne mit gelben Leib und einem langen, kopflosen Hals am Kai.

Blaue Krähne Und das ist kein Zufall. Nach der Wende entschied die Stadt Rostock bewusst, dass ohne die blauen Kräne die Silhouette der Stadt zuviel von ihrem maritimen Charme verlieren würde, zu dem eben auch die Erinnerung an die industrielle Hafenarbeit des 20. Jahrhunderts zählte. Faktisch ist diese Nostalgie aber bereits seit den 1960er-Jahren eher ein Fall fürs Museum. Mit dem Bau des Rostocker Überseehafens verschwand die Bedeutung des Stadthafens für den Warenumschlag in der Hansestadt. Lediglich kleinere Mengen Kohle und Getreide sowie sowjetische Militärtransporte wurden hier bis 1989 noch umgeschlagen.

Rostocker Industrieromantik

Blaue Krähne Die zwei Portalkräne selbst sind typisch für die 1960er-Jahre. Sie halfen beim Verladen der begrenzten Warenmengen im Stadthafen. Sie konnten sich auf Schienen am Kai hin- und herbewegen und waren um die eigene Achse drehbar. Bei Bewegungen ertönte stehts eine monotone Alarmglocke, um andere Arbeiter zu warnen. Das Geräusch war in der Hochzeit der DDR neben dem Verkehrslärm und dem Geschrei der Möwen prägend für die Rostocker Innenstadt. Heute indes geht es am Stadthafen ruhiger zu. Die Industrie ist verschwunden, die Autos deutlich leiser als die guten, alten Zweitakter und die einzigen Schiffe, die vor Anker liegen, sind schwimmende Museen oder aber teure Yachten der betuchteren Rostocker.

Trotzdem bleibt eine gewisse Industrieromantik, wenn man auf dem Parkplatz- und Festgelände der Hanse Sail stehend auf die beiden Kräne und das dunkel blaue Wasser des Breitling (Warnow-Mündung) blickt. Gerade im Herbst entfalten die beiden blauen Kräne auf diese Weise einen ganz eigenen Charme. Der allerding nicht jedermanns Sache ist.

Verkehrsanbindung: Stadthafen

Die zwei blauen Kräne am Stadthafen erreicht man am besten von der Haltestelle Kröpeliner Tor (Linien 1,2,5 und 6) aus. Einfach die Lange Straße überqueren und in eine der schönen Seitenstraßen bis ans Wasser gehen. Von dort aus sind die Kräne bereits gut zu sehen. Lohnenswert ist es auch, vom Rathaus aus zum Stadthafen zu gehen und von dort aus die ganze Promenade bis zur Neptun Werft entlang zu flanieren.